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Perusch-Paletten setzt mit ERP-MES-System auf die Fabrik der Zukunft
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Perusch-Paletten setzt mit ERP-MES-System auf die Fabrik der Zukunft

Der Markt für Paletten ist hart umkämpft. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt die Perusch-Paletten GmbH deshalb auf vollautomatisierte Fertigung. Durch die Einführung eines ERP-MES-Systems hat der österreichische Produzent nun einen gewaltigen Schritt in Richtung Industrie 4.0 und Kostenführerschaft in der Branche getan.

Das Unternehmen aus Frohnleiten produziert in der dritten Generation Holzpaletten. Seine Kunden rekrutiert es aus mittelständigen und großen Papier- und Kartonagenherstellern. Dabei sind Paletten ein hoch individuelles Gut, das den Bedürfnissen, Standards und Wünschen der Auftraggeber angepasst werden muss. Die vielfältigen Varianten erfordern bei gleichzeitig kurzen Auftragsvorläufen und hohem Preisdruck eine besonders präzise Produktionsplanung und -steuerung. „Mitte der 90er Jahre schafften wir die ersten automatisierten Maschinen an. Seit 2006 betreiben wir zwei weitgehend automatisierte Fertigungslinien“, erzählt Wolfgang Perusch. Weitere gewichtige Parameter: der steigende Kostendruck, die geringen Vorlaufzeiten und die Just-in-Sequence-Lieferungen. „Unsere typischen Kunden haben einen jährlichen Palettenbedarf von über 100 000 Stück pro Jahr. Diese werden von uns mit mehreren LKW-Ladungen pro Tag beliefert“, so der Geschäftsführer Technik und Produktion.

© Perusch Paletten GmbH
Paletten sind ein hoch individuelles Gut, welches an die Bedürfnisse, Standards und Wünsche der Auftraggeber angepasst werden muss. © Perusch Paletten GmbH

Die smarte Fabrik 4.0

Die Ziele von Perusch sind klar definiert. Die Jahresproduktion soll von derzeit 900.000 auf 1,4 Millionen steigen – und zwar mit dem aktuellen Bestandsteam. „Wir wollen „Cost Leader“ bei der Produktion von Karton- und Papierverpackungspaletten werden – bei gleichzeitig maximierter Flexibilität“, erläutert Perusch die Strategie. Das bedeutet ein Abrücken von der manuellen Fertigung hin zu erhöhter Automation und dem breiten Einsatz digitaler Mittel bei allen internen Prozessen. So lassen sich Aufträge schneller durchführen und die Ressource Holz optimal verwerten. Das Projekt „Perusch-Paletten 4.0“ ist die größte Erweiterungsinvestition des Unternehmens aus der Steiermark. Hilfen kamen aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Den Grundstein dafür bildet die 2019 eröffnete Fabrikhalle. Auf einer Fläche von 1.507 m² können hier vollautomatisch Paletten hergestellt werden. Als digitale Basis dient die schon vorher eingeführte ERP-MES-Suite PSIpenta der Berliner PSI Automotive & Industry GmbH.

Digitale Steuerung aller Fertigungsebenen

Bei Perusch erfolgt die Herstellung auf verschiedenen Levels. Da ist einmal der Shopfloor mit der Produktionsanlage: Sägelinie, Stapelanlage mit Industrierobotern, Intralogistiksystem und eine Industriefertigungslinie. Es folgen die MES-Module und der PSIpenta Leitstand. Diese sind wiederum vollständig in die dritte Ebene integriert: dem ERP-System und dem vernetzten Kunden-Webportal. Alle Ebenen stehen nun in direkter Kommunikation. „Unsere neue Fertigung besteht aus drei Ebenen, die durch ihre durchgängige und tiefe, vertikale Integration nahezu mit einander verschmolzen sind“, erläutert Wolfgang Perusch. Das ERP-System plant und steuert dabei den kompletten Prozess. Vom Eingang des Kundenauftrags über die Fertigung bis zur Etikettierung und Auslieferung. Basis ist eine CSV-Datei. Auftraggeber können hier über das Web-Portal alle relevanten Daten eintragen. PSIpenta übermittelt so durchschnittlich 270 kundenspezifische Parameter pro Auftrag an den Shopfloor. „Hier kommt das Variantenmanagement der ERP-Lösung zum Tragen. Vereinfacht gesprochen, verwaltet es die spezifischen Ausprägungen unserer standardisierten Palettentypen und generiert Angebote, Aufträge, Stücklisten und Arbeitspläne für die konfigurierten Muster – und zwar auch dann, wenn es einen Auftrag in dieser Form noch nie gegeben hat“, erklärt der Geschäftsführer. „Zudem man muss sich vergegenwärtigen, dass wir theoretisch eine unendliche Variantenvielfalt händeln. Denn wir können jegliche Breiten-Längen-Kombination millimetergenau umsetzen.“

Digitalisierung in der Produktion

Komplette Kontrolle über den Produktionsprozess

Ein weiterer Pluspunkt: die Zeit- und damit Kostenersparnis bei der Auftragsbearbeitung. Über das Kunden-Webportal und das ERP-System entfällt die manuelle Eingabe fast vollständig. Wiederkehrende Prozesse automatisiert das System. „Ein großer Vorteil liegt zudem allein in der Tatsache, dass das System durch den Variantenmanager auch ein Format, das bisher noch nie angefragt wurde, automatisch verarbeitet und in einen Auftrag ummünzt“, so Perusch. Das ERP-System steht beständig in Kommunikation mit den verschiedenen Ebenen und liefert dem Unternehmen jederzeit den Status eines Auftrags. Daraus lassen sich Erkenntnisse für einen möglichen Ausbau gewinnen. „Besonders wichtig ist für uns, dass uns das ERP-System auch zukünftig nicht einschränkt, etwa wenn es um die Erweiterung der Systemlandschaft geht,“ bringt Perusch die Vorteile auf den Punkt.

Bei all der Automatisierung versteht sich Perusch-Paletten aber weiterhin als ein von Menschen getragenes Unternehmen. Denn auch die Mitarbeiter profitieren vom neuen ERP-System, welches ihnen die Möglichkeit gibt über das PSI-Click-Design ihre Benutzeroberflächen anzupassen. Individuell, je nach Anforderung oder Bedürfnis. „Die Handhabung der Software wird durch eine Reduzierung auf das Wesentliche bzw. Relevante für unsere Sachbearbeiter stark vereinfacht. Hierdurch entsteht eine viel höhere Effizienz beim Abarbeiten täglicher Aufgaben. Das trifft vor allem auf die Auftragsabwicklung zu, in der wir alle Übersichten verwenden, die unser Berater passgenau erstellt hat.“

Nach der Implementierung und Testphase will das Unternehmen nun bald in das Go-Live der Produktion einsteigen. Die dadurch gewonnenen Daten dienen dazu, Anlage und Produktion weiter zu optimieren. Doch schon jetzt verkündet Wolfgang Perusch: „So oder so sind wir unheimlich stolz etwas geschafft zu haben, worüber vielerorts nach wie vor lediglich debattiert wird und auch speziell in unserer Branche bislang einzigartig ist: Die vollautomatische Fertigung 4.0“

© Perusch Paletten GmbH
Ziel Cost Leader: Weg von der manuellen Fertigung hin zu erhöhter Automation und dem breiten Einsatz digitaler Mittel. © Perusch Paletten GmbH

Erfolgreiche Zukunft in Sicht

Schon jetzt lässt sich absehen: Die Investition wird den Ertrag für Perusch-Paletten fördern und die Basis für ein erfolgreiches Fortschreiben der Firmengeschichte legen. Das Zusammenspiel von Automation und Digitalisierung machen die Produktion wesentlich effizienter. Ein erster Schritt zum Cost Leader im Markt der Palettenfertigung. Das durchgängige ERP-MES-System befähigt die Smart Factory ihre Vorteile in voller Gänze auszuspielen.

Perusch-Paletten GmbH – Facts & Figures

  • Geschäftsfelder: Herstellung und Lieferung von Ein- und Mehrwegholzpaletten, Non-Stop-Paletten, Exportpaletten, Papierpaletten, Europaletten, Verpackungen, Sonderpaletten
  • Applikationsbranchen: Papier- und Kartonageproduzenten
  • Mitarbeiter: 38
  • Standort: Frohnleiten, Österreich
  • Umsatz: ca. 7 Millionen Euro
  • Gründung: 1953

Jens Reeder

Jens Reeder

Jens Reeder ist Experte für die Beratung rund um Prozessoptimierung. Mit Kunden in der deutschen Industrie hat er bereits in unzähligen Projekten Lösungen zur Digitalisierung gefunden und ERP + MES eingeführt. Im Blog berichtet er von seinen Erfahrungen.

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