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8 Fragen und Antworten, die produzierende Unternehmen zu agiler Software haben
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8 Fragen und Antworten, die produzierende Unternehmen zu agiler Software haben

Agilität ist das Thema der Stunde. In Managementkreisen dreht sich derzeit alles darum, wie Organisation, Produktion und Unternehmenskultur in Zeiten volatiler Auftragslagen und einer immer schwerer einzuschätzenden Marktsituation agiler werden können.

Der Wandel hin zu agiler IT soll Unternehmen bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen unterstützen und den Transformationsprozess zu digitalen Geschäftsmodellen voranbringen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat die Notwendigkeit einer konsequenten Digitalisierung von Geschäftsprozessen deutlich gemacht und diesen ohnehin schon starken Trend noch weiter beschleunigt.

Doch gerade bei Trendthemen gilt es genau hinzuschauen und sorgsam abzuwägen. Welche Mehrwerte haben produzierende Unternehmen dabei wirklich? Welche Gründe sprechen für den Einsatz agiler Software? Macht die Einführung für das eigene Unternehmen Sinn? Die wichtigsten Fragen rund um das Thema agile Software beantworten wir in diesem Artikel.

Was sind die Herausforderungen vor denen der produzierende Mittelstand steht?

Auch fertigende Unternehmen bewegen sich heute in der VUCA-Welt, also einer Welt in der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit beständig zunehmen. Anforderungen und Planungen müssen in dieser neuen Welt kontinuierlich evaluiert werden, sodass die Unternehmen schnell auf Änderungen reagieren können. Während dies schon herausfordernd genug ist, stehen produzierende Unternehmen vor zwei zusätzlichen Herausforderungen:

  1. Die Digitalisierung der Produktion bleibt bisher sehr stark hinter der Erwartungen zurück
    Viele Unternehmen hatten durch die prosperierende Wirtschaft der vergangenen Jahre nicht genug Zeit und freie Kapazitäten, um die digitale Transformation zufriedenstellend einzuleiten. Es existiert vielmehr ein Nachholbedarf, die bestehenden Möglichkeiten wirklich auszureizen.Es geht bei der digitalen Transformation der Wirtschaft nicht um Technologie als Selbstzweck, sondern um den Aufbau digitaler Geschäftsmodelle für die Zukunft. Diese digitalen Geschäftsfelder erfordern eine digitale Verflechtung von Unternehmen mit ihren Lieferanten – und das ganz ohne Medienbrüche. Vernetztes Arbeiten erfordert Vertrauen zum IT-Anbieter und in den technologischen Unterbau. Weitergehende Security, ausreichende Bandbreite und der schnelle Ausbau 5G in der Werkhalle sind wichtige Maßnahmen, damit Maschinen endlich in ausreichender Geschwindigkeit und Qualität miteinander kommunizieren und die Basis für den dringend nötigen Digitalisierungsschub legen können.
  1. Die Angst vor der künstlichen Intelligenz
    In der privaten Welt nutzen wir – etwa auf dem Smartphone – KI tagtäglich. In der Produktion ist das Thema aber bisher nur rudimentär angekommen. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch die Psychologie scheint eine zentrale Rolle zu spielen. Der Mensch befürchtet, durch KI ersetzt und in seinen Entscheidungsbefugnissen beschnitten zu werden.Der Mensch muss aber erkennen, dass es um die Erweiterung des Entscheidungsraums, also um Entscheidungsunterstützung, geht. KI bietet die Möglichkeit die eigene Datenbasis zu vervollständigen und zu verifizieren und so letztlich zu besseren Entscheidungen zu kommen. Die Vielfalt und Komplexität der Datenvernetzung sind gigantisch und überschreiten die Möglichkeiten des Menschen bei weitem. KI geht jedoch über diese kognitive Schranke hinaus und ist daher eine enorme Chance für die Produktion.

Wir lassen die Daten für uns arbeiten. Daten sind das Öl für die Fertigung der Zukunft.

Dr. Herbert Hadler, Geschäftführer der PSI Automotive & Industry

Wieso müssen Unternehmen heute überhaupt agiler sein als noch vor zehn Jahren?

Schon vor zehn Jahren galt, dass schnelle Unternehmen große Player im Wettbewerb ausstechen. Vor zehn Jahren konnten Unternehmen einen Mangel an Geschwindigkeit jedoch noch viel besser mit klassischen Skaleneffekten kompensieren. Je mehr Mitarbeiter sie hatten, desto besser konnten sie Arbeit verteilen sowie Know-How aufbauen und vernetzen.

Das Internet stellt diesen Zusammenhang in Frage, denn Wissen und Informationen sind viel leichter verfügbar als jemals zuvor. Auch kleine Unternehmen können neue Erkenntnisse und Technologien sehr schnell aufnehmen und rasch auf sich veränderte Märkte reagieren. Sie haben damit zusätzliche Möglichkeiten, für die etablierten Player zur Gefahr zu werden. Durch diesen Druck von unten muss heute jedes Unternehmen zwingend agiler und schneller werden.

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Wieso ist agile Software für produzierende Unternehmen wichtig?

IT muss mit der Realität produzierender Unternehmen Schritt halten. Schlanke und flexibel produzierende Unternehmen dürfen nicht durch die Software und die darin implementierten Geschäftsprozesse zur Langsamkeit gezwungen werden. Die IT darf nicht zum Hemmschuh für Innovationen werden.

Während die IT früher oft Wandel von Prozessen initiierte und die Fachabteilungen mitreißen musste, sehen wir heute immer öfter, dass in schneller Folge Anforderungen aus der Produktion an die IT herangetragen werden, aber nicht ausreichend schnell umsetzbar sind. Die Anforderungen an Software ändern sich also, sie muss agiles Arbeiten ermöglichen.

Workflow-Funktionalitäten leisten genau das. Geschäftsprozesse sind ständig anpassbar – für jeden Zustand, jedes Produkt, jeden einzelnen Artikel, Kunden oder Auftrag. Für jeden Kundenvorgang und Spezialfall sind somit individuell angepasste Prozesse möglich!

Der Prozess, wie man Software erdenkt, ausliefert und implementiert, muss sich ebenfalls anpassen und mit den Anforderungen an Agilität und Schnelligkeit mithalten. Releases werden in kürzeren Zyklen in höherer Taktzahl erscheinen und noch präzisere Lösungen für die Probleme der Unternehmen bereitstellen.

Wie funktionieren Workflows im ERP und MES?
Wie funktionieren Workflows im ERP und MES?

Was muss agile Software für produzierende Unternehmen leisten?

Agile Software für produzierende  Unternehmen zeichnen sich durch ihre Anpassungsfähigkeit aus. Dies betrifft drei Dimensionen:

  • Wandelbare Prozesse
    Produzierende Unternehmen und deren Mitarbeiter können selbst mit der Workflow-Technologie, basierend auf einer standard-fähigen Software, funktionale Erweiterungen erstellen und Prozesse anpassen. Das bedeutet: Sie modellieren Prozesse statt Sie umständlich per Code in Programmen abzubilden. Dies ist sogar im Produktivbetrieb möglich.
  • Offenheit
    Eine moderne Servicearchitektur ist eine offene Servicearchitektur. Software-Plattform für produzierende Unternehmen lösen daher monolithische Softwarelösungen ab und ermöglichen flexible Services. Damit versetzen sie Unternehmen in die Lage IT-Lösungen auszuwählen, die extrem genau auf Ihre Anforderungen zugeschnitten sind. Während die Komplexität von zunehmend heterogener werdenden IT-Landschaft generell zunimmt, ermöglicht eine einheitliche, skalierbare Schnittstelle zwischen allen Applikationen im Wertschöpfungsprozess einen reduzierten Aufwand für die IT. Änderungen in der IT-Landschaft sind so jederzeit möglich ohne das Gesamtsystem zu beeinträchtigen.
  • Benutzerfreundlichkeit
    Agile Prozesse spiegeln sich auch in einer agilen Nutzeroberfläche. Technologien wie PSI Click-Design machen das Leben leichter: Sie können intuitiv und einfach Benutzeroberflächen per Click für jeden einzelnen Anwender erstellen und so auch teure Anpassungskosten sparen.
Systemarchitektur PSIpenta MES
Systemarchitektur von PSIpenta

Für welche Unternehmen lohnt es sich über eine agile Software nachzudenken?

In der Tat für einen Großteil der produzierenden Unternehmen! Jedes fertigende Unternehmen, das sich mit stark ändernden Herausforderungen bei der Abwicklung von Aufträgen auseinandersetzen muss, sollte einen Blick auf agile Software für die Produktion werfen. Dies gilt im Übrigen vom Einzelfertiger bis zur Serienfertigung im Automotive-Bereich, wo ja auch schnell auf Änderungen der OEMs reagieren werden muss.

Für Unternehmen mit ausgeschliffenen, gleich bleibenden Prozessen ist agile Software dagegen weniger relevant. Diese Unternehmen brauchen stabile Prozesse, weil ihre Produkte sich eben gerade nicht ständig und schnell wandeln sollen, wie z.B. in der Produktion von Maschinen und Ventilen für die Medizintechnik. Der Entstehungs-, Genehmigungs- und Zertifizierungsprozess ist hier extrem lang. Das letzte, das diese Unternehmen brauchen, ist hohe Agilität in ihren Prozessen!

Wie macht PSIpenta Ihnen das Leben leichter?

Wieso ist eine herausragende Integrationsfähigkeit der IT heute so wichtig für produzierende Unternehmen?

Den Produktionsprozess kann man heute oft als Arbeitsgemeinschaft mit additiven Lieferanten für Produkte verstehen. Die Herausforderung ist dann die Vernetzung der heterogenen IT-Infrastrukturen. Aufwendiges Programmieren von Schnittstellen würde hier zu lange dauern, um wettbewerbsfähig zu sein. Integrationsplattformen können leicht und sehr flexibel eine Integration von Geschäftsprozessen und in diesem Zusammenhang auch Agilität für rasche Reaktionen auf geänderte Anforderungen sicherstellen.

Welche konkreten Vorteile haben Unternehmen durch den Einsatz von agiler Software?

Heute haben produzierende Unternehmen weder die Zeit noch die Ressourcen, um ausufernde Prozessänderungen händisch per Programmierung zu realisieren. Es wird aber in Zukunft möglich sein, mit agilen Lösungen endlich eine echte Steckerkompatibilität umzusetzen. Partner- und Drittsoftware kann über eine Webserviceschnittstelle leicht und stabil integriert und in die schnelle Änderung von Prozessen einbezogen werden. Unternehmen können sehr flexibel die für sie passenden Lösungen auswählen. Als Portaltechnologie wird agile Software zu der Plattform für Produktion.

Welche Vorteile haben die „einfachen“ Anwender von agiler Software?

Facharbeiter werden in Zukunft an der Maschine, am Arbeitsplatz und in der Werkhalle auf die Herausforderungen jedes einzelnen Fertigungsauftrages reagieren können. Für die Anpassung von Oberflächen und Abläufen wird es kein tiefergehendes Expertenwissen mehr benötigen. Beispielsweise können Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung eigenständig und sehr schnell für einen speziellen Kundenauftrag die üblichen Abläufe um gewisse Qualitätssicherungsmerkmale (z.B. Lackdichte) oder zusätzliche Prüfschritte (z.B. eine vom Kunden geforderte Zusatzprüfung) erweitern, sodass nachgelagerte Abteilungen die notwendigen Informationen direkt in ihrer Oberfläche verfügbar haben. Gleichzeitig können sie den Prozess so verändern, dass in der Produktion eben jene Qualitätsmerkmale erfüllt sein müssen.

Dr. Herbert Hadler

Dr. Herbert Hadler

Dr. Herbert Hadler zählt zu den Vordenkern von Industrie 4.0 und Smart Factory in Deutschland. Der Geschäftsführer der PSI Automotive & Industry teilt im Blog seine Einschätzung zu den aktuellen Entwicklungen rund um ERP + MES.

Dr. Herbert Hadler

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