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Unternehmenssoftware in der Plattform Economy
Alles rund um ERP
Aus der Forschung

Unternehmenssoftware in der Plattform Economy

Die Diskussion um die sogenannte Plattform-Ökonomie schiebt sich immer stärker ins Bewusstsein von Wirtschaft und Politik. Die bekanntesten Beispiele für Plattformen finden sich im Bereich der Betriebssysteme von Smartphones und deren App Stores. Kennzeichnend für diese zwei oder gar mehrseitigen Märkte ist, dass sie zwischen verschiedenen Nutzergruppen vermitteln.

Im Kontext von Digitalisierung und sich immer stärker vernetzenden Unternehmen wird auch von „Intermediären“ gesprochen. Eine Besonderheit dieser Märkte ist, dass sich die Attraktivität von Plattformen erhöht, wenn die jeweils andere Nutzergruppe größer wird. Im Fall von App Stores steigert sich die Bereitschaft von Entwicklern für eine Plattform Apps bereitzustellen etwa, wenn die Zahl der Nutzer steigt. Andererseits zieht es Nutzer zu jenen Plattformen, für die ein vielfältiges Angebot existiert. Das Geschäftsmodell der Plattformen besteht darin, für Transaktionen Gebühren zu erheben oder Basisversionen kostenlos anzubieten und zusätzliche Funktionen gegen Zahlung anzubieten.

Schnittstellen zu gängigen Plattformen müssen geschaffen werden

Um externen Entwicklern überhaupt die Möglichkeit zur Entwicklung eigener Angebote zu geben und so einen zweiseitigen Markt entstehen zu lassen, müssen Unternehmen eine API (Application Programming Interface) anbieten. Ein Beispiel im Unternehmenskontext ist die myopenfactory-Plattform, die zwischen Kunden- und Lieferanten vornehmlich im Maschinen- und Anlagenbau  vermittelt und gleichzeitig von vielen Anbietern von ERP- oder Warenwirtschaftssystemen unterstützt wird.

Es ist wahrscheinlich, dass sich mit der fortschreitenden Digitalisierung und den entstehenden Wertschöpfungsnetzwerken weitere dieser Intermediäre bilden (müssen). Die mögliche Entwicklung stützt sich dabei auf zwei Faktoren:

  • Die digitale Wirtschaft beruht darauf, dass Unternehmen Leistungen anbieten können und dann auch von Kunden gefunden werden müssen. Plattformen sind hierfür ideal geeignet, da sie Angebote aggregieren und so attraktiv für Kunden sind
  • Die auftragsorientierte (dynamische) Vernetzung von Unternehmen über Plattformen ist der nächste logische Schritt. Lieferkettensynchronisation, Projektsteuerung, Abwicklung von Bestellungen und Abrechnung oder auch Dokumentation sowie Traceability stellen dabei Herausforderungen dar, die Unternehmen bewältigen müssen

Temporäre Vernetzung von Unternehmen

Es existiert jedoch ein gravierendes Problem: Die Backbones der Auftragsabwicklung in den Unternehmen, ERP-Systeme, unterstützen eine Vielzahl an Standards beziehungsweise Beschreibungsformen für Kataloge, Identifikation von Firmen und Produkten, Austauschformaten, Klassifikation von Produkten oder Transaktionsstandards. All diese sind ausgerichtet auf das Suchen, Finden, Bestellen, Liefern und Abrechnen von Waren und Dienstleistungen. Die auftragsorientierte und ggf. temporäre Vernetzung von Unternehmen im Fall der Auftragsabwicklung („ARGE“) steckt

Der Industrial Data Space als Bindeglied zwischen digitaler Produktion/Logistik und Smart Services (Quelle: Mbsnom/Wikimedia Commons: commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62453093)

Erste Ansätze werden in einem durch 12 Institute der Fraunhofer Gesellschaft unter der Führung des ISST  (Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik) geführtes und durch das BMBF gefördertes Projekt „Industrial Data Space“ gemacht. Hierbei geht es um die Bereitstellung sicherer Datenräume und die Unterstützung von Prozessen in der Produktion und Logistik und damit letztendlich auch um die Integration mit ERP- und ME-Systemen.  Die ersten Hausaufgaben sind also gemacht, doch die Entwicklung rund um Plattformen zur unternehmensübergreifender Auftragsabwicklung bleibt spannend.

Karl Tröger

Karl Tröger

Business Development Manager

Karl Tröger führt in seinen Beiträgen Perspektiven von Kunden, Markt, Wissenschaft, Software-Entwicklung und Marketing zusammen. Der Diplom-Ingenieur der Elektronik und Nachrichtentechnik veröffentlicht regelmäßig viel beachtete Publikationen über die Zukunft von fertigungsnaher Software.

Karl Tröger

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