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Industrie 4.0: So sieht das ERP-System der Zukunft aus
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Aus der Forschung

Industrie 4.0: So sieht das ERP-System der Zukunft aus

Im Angesicht der digitalen Revolution im Sinne von Industrie 4.0 scheinen es einmal mehr ERP-Systeme zu sein, die einen tiefgreifenden Wandel hin zu mehr Vernetzung vorwegnehmen, bessere Auslastung und agilere Produktionssteuerung ermöglichen. Weiter befeuert wird der Wandel von parallel voranschreitenden Entwicklungen wie Big Data, Cloud-Technologien und dem Einsatz von mobilen Apps in der Industrie.

In Zukunft kommunizieren Werkstücke und Maschinen über das Internet und entscheiden in Echtzeit selbst über den nächsten Fertigungsschritt. Die sich ergebenden Möglichkeiten in Steuerung und Planung sind enorm und bieten die Chance wirtschaftlich darstellbar bis auf Losgröße 1 herunterzugehen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Zeiten immer individueller werdender Kundenwünsche!

ERP-System als Taktgeber

Gleichzeitig wird auch der Markt für ERP-Systeme individueller und Entwicklung nach den Maßgaben der Kundenwünsche wichtiger. Die smarte Fabrik von morgen bricht mit dem Gedanken der linearen Produktion, die sich im Fließband ausdrückt. An dessen Stelle treten neue Anforderungen an Offenheit, Flexibilität und Kooperationsfähigkeit. Dem ERP-System wird in der fortschreitenden Digitalisierung die Aufgabe als Taktgeber zukommen, der Produktionsprozesse gleichzeitig steuert und mit der betriebswirtschaftlichen Ebene verknüpft. Zehn Entwicklungen sind dabei von besonderer Bedeutung:

  1. Immer verbunden – „always connected”
    Anwender, Maschine, Werkzeug und Werkstück sind verknüpft und kommunizieren mittels dem „Internet der Dinge“ (IoT) in der Cloud. ERP-Systeme generieren aus den riesigen Datenmengen mittels Big Data Sinn, um anhand dessen zu planen und steuern. Konsequenzen sind jederzeitige Transparenz über sämtliche Produkte und Prozesse sowie eine optimale Auslastung knapper Ressourcen.
  2. Information, jederzeit und überall
    Unternehmensdaten sind jederzeit, über alle Formen von (mobilen) Endgeräten verfügbar. Neue Bedienformen wie Spracheingabe oder Augmented/Virtual Reality vereinfachen den Arbeitsalltag.
  3. ERP sichert Geschäftsprozesse und Daten
    ERP-Systeme sind offen nach außen, aber müssen ebenso die Sicherheit der Daten garantieren. Daher gelten höchste Standards an Authentifizierung, Rechteverwaltung und Verschlüsselung.
  4. Das ERP-System trifft Entscheidungen oder bereitet diese vor
    An Hand von Modellen können ERP-Systeme Entscheidungen selbst treffen oder diese zumindest vorbereiten. Diese Modelle verbessern sich auf Basis gesammelter Erfahrungen und zusätzlicher Daten (Social Web, Vor-Parametrierung, Anticipatory Shipping) ständig selbst.
  5. Skalierbarkeit durch die Cloud
    Bei neuen Bedarfen können Rechenleistung, Speicherplatz oder gar Dienstleistungen bis hin zum gesamten ERP-System über die Cloud gebucht und sofort ausgerollt werden.
  6. Von der Transaktion hin zu Kollaboration
    Kollaboratives Arbeiten an Problemen und Dokumenten in temporären Arbeitsgruppen – auch über Unternehmensgrenzen hinweg – wird die Norm. Maschinen kommunizieren untereinander (z.B. selbststeuernde Produktion). Die Möglichkeiten der Kundenberatung werden durch digitale Neuerungen wie Virtual Reality gesteigert.
  7. Geschäftsmodelle und ERP-Systeme verändern sich
    Die Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle wie die Individualisierung/Personalisierung von Produkten, Services als Ergänzung zu einem Produkt, Smart Products/Smart Services und 3-D-Druck vor Ort. ERP-Software muss daher mehr auf die individuellen Anforderungen des Kunden zugeschnitten (vertikalisiert) werden.
  8. ERP ist die »Single Source of Truth«
    ERP-Systeme führen alle relevanten logistischen, betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Informationen zusammen. Daher sind sie DIE zentrale Datendrehscheibe in Zeiten von Big Data.
  9. ERP-Systeme sind die Avatare (der Unternehmen) auf den zukünftigen digitalen Marktplätzen
    Unternehmen werden von ERP-Systemen auf Marktplätzen und in Wertschöpfungsnetzwerken repräsentiert.
  10. ERP trägt die Betriebswirtschaft der digitalen Transformation
    Um potentielle Mehrwerte tatsächlich zu realisieren braucht es eine Ausrichtung an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Diese Integration leisten ERP-Systeme als Taktgeber der Digitalisierung.

Quo vadis ERP?

Die nächste Generation von ERP-Systemen wird anders aussehen als heutige Systeme. Die Usability wird sich an die Standards anpassen, die wir aus dem Consumer-Bereich gewöhnt sind. Apps werden für vollständige Mobilität sorgen.

Auf der funktionalen Seite wird die Integrationsfähigkeit drastisch steigen, insbesondere durch bessere Vernetzungsmöglichkeiten und eine größere Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen. Produkte werden in Zukunft nicht mehr allein als Hardware, sondern immer in Verbindung mit zusätzlichen Leistungen verstanden. Man spricht von „digitally charged products“.

Datenqualität absolutes Muss

Als große Herausforderung präsentiert sich die Datenqualität, denn nur mit gut gepflegten Daten lassen sich hochautomatisierte Geschäfts- und Fertigungsprozesse umsetzen. ERP-Systeme müssen daher Stamm- und Bewegungsdaten sämtlicher Systeme entlang der Wertschöpfungskette mitanbieten. Gleichzeitig wird die intelligente Vernetzung von Informationen wichtiger. Ein größerer Fokus wird dabei auf Datensicherheit, Kosten und Controlling liegen.

Felix Saran

Felix Saran

Content Marketing Manager

Wie wenden Unternehmen Software erfolgreich an? Welche Trends werden in der Branche diskutiert und welche Vorteile können Betriebe daraus ziehen? Der Redakteur schreibt bevorzugt Berichte über die Praxis von ERP + MES.

Felix Saran

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